SPURENSUCHE

Die heute noch im Bayreuther Stadtbild erhaltenen Spuren mittelalterlicher Bebauung beschränken sich auf wenige Teile von Stadtmauer und Stadtkirche. Alles andere, wie das mittelalterliche Rathaus und bis auf Stadt- und Spitalkirche alle anderen Kirchen und Kappellen wurde abgetragen oder sie haben, wie Schloss und Spital, in den darauf folgenden Jahrhunderten vielfachen Um- oder gänzlichen Neubau erfahren.


Die Stadtmauer wie sie heute vielerorts im Bayreuther Stadtbild zu sehen ist, folgt fast vollständig dem Verlauf den sie mit der ersten Erweiterung Anfang des 14. Jahrhunderts einnahm. Die Mauern wurden 1448 und 1457 lediglich verstärkt. Ein 1665 angelegter zweiter, äußerer, Mauerring ist nicht mehr erhalten. Ebenso wenig, bis auf einen Turm und noch vereinzelte sog. Kragsteine (welche den Laufboden der Wehrgänge trugen), die Wehranlagen der Stadtmauer, Türme, Wehrgänge und die Stadttore. Ihr vorhanden sein, weit über das Mittelalter hinaus, dokumentiert der älteste erhalte Stadtplan von Bayreuth (erstellt zwischen 1605 und 1621) und, über 100 Jahre jünger, ein Stadtplan von 1745 mit immer noch einigen der Türme und den beiden Stadttoren. Ihr Ende hat wohl 1754 begonnen, als man die Anlage aufgegeben, an die Anrainer verkauft und in Folge überbaut oder abgebrochen hat.

Zu sehen sind heute noch, der einzige erhaltene Wehrturm, der "Schwertelturm", unweit des ehemaligen "Unteren Tors". Er datiert auf das 14./15. Jahrhundert. (Bild 1). Ebenso ein ca. 8 m langer Teil der Stadtmauer nur wenige Meter weiter in südlicher Richtung und überbaut durch das Haus Römerstraße 8. Er datiert in den Anfang des 14. Jahrhundert. (Bild 2). Beide sind auf Höhe Dammallee 22 einsehbar.

Mit dem nördlichsten Teil der Stadtmauer, in der Frauengasse, östlich an dem Haus Nr. 5 anschließend (Bild 3), stehen ebenfalls noch ca. 15 m der mittelalterlichen Anlage. Datierend auf das 14./15. Jahrhundert.

Vom südlichen Teil der mittelalterlichen Stadtmauer stehen heute noch ca. 50 m im Hof der Regierung von Oberfranken (Bild 4) und deren Fortsetzung im sog. Pfarrgarten des evangelischen Pfarramt in der Kanzleistraße (Bild 5). Dort auf einer Länge von ca. 15 m. Beide Mauerstücke datiert ebenfalls auf das 14./15. Jahrhundert. (1). Beide Teilstücken sind nur während der jeweiligen Geschäftszeiten zugänglich.

Seit 2018 ebenfalls wieder sehenswert, ein bis dahin eher übersehbarer Mauerrest der nördlichen Stadtmauer. Hier ist zwar, bis auf wenige Meter auch kaum mittelalterliche Stadtmauer erhalten, dabei aber der Rest einer sogenannten Streichwehr (Bild 6). Ein der Stadtmauer vorgebauter Turm, der es ermöglicht, die eigentliche Stadtmauer vor Erstürmung zu schützen. Dieser letzte Rest von ehemals 5 solcher Türme entlang der nördlichen Stadtmauer wurde eben 2018 gesichert, saniert und mit einem Regendach geschützt (2). Wunderbar einsehbar von dem zum "Hintereingang" Karstadt führenden Fußgängersteg.


Die Stadtkirche, ihre Baugeschichte reicht möglicherweise auf das späte 12. Jh. zurück. Ihr heutiges Aussehen erhielt sie im wesendlichen zwischen 1518 und 1529 durch das errichten eines 5. Geschosses und eines Achthorts auf beiden Türmen. Ebenso bei der Beseitigung der schweren Brandschäden von 1605 und 1607 am Hauptschiff bis zum Jahr 1614. Dabei wurden das Chor und Mittelschiff neu überwölbt und die Seitenschiffe samt Strebpfeilern und -bögen weitestgehend neu errichtet, Auch "Brauttür" und die südlichen Treppentürme entstanden währen dessen. Nach kleineren Schäden beim Stadtbrand von 1621 wurde der Helm des Südturms neu errichtet und wohl auch die Orgelempore eingebaut, 1666/68 dann der Nordturmhelm und etwa zeitgleich die Brücke und die Brüstungen der beiden Türme fertig gestellt. 1871/72 wurden dann schlussendlich die Sohlbänke der Seitenschifffenster herunter gesetzt und der nordwestliche Treppenturm errichtet. In dieser Zeit ersetzte man auch die bis dahin bestehenden Sandsteinemporen durch neugotische Holzemporen. Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde dann noch das Westportal durch eine neugotische Kopie ersetzt. Trotzdem haben sich an den beiden Türmen Teile des mittelalterlichen Kirchenbaus erhalten. Das Untergeschoss des Nordturms (Bild 2) datiert auf das 12./13.Jh., das erste uns zweite Obergeschoss auf die Zeit um 1400. 1370/80 bis 1420 entstand gleichzeitig evtl. anschließend an den Neubau des Kirchenschiffs der Südturm (Bild 3 u. 4). Wovon heute noch der Chor und Teile der Türme erhalten sind. 1439 bis um 1470 wurde die 1430 von den Hussiten nahezu völlig zerstörte Kirche neu errichtet und der Südturm etwa ab Mitte des zweiten Obergeschosses erneuert (3).


Das "Alte Schloss", irreführen auch als "Meranierschloss" bezeichnet, ist bis auf Reste des Fundaments (im Bild) unter dem Staßenpflaster komplett verschwunden. Es reicht in seinem Ursprung in jeden Fall vor 1400 zurück, möglicherweise aber auch in die Zeit vor dem 13. Jahrhundert. Es lag an der nördlichen Marktplatzseite, in Lage und Größe in etwa entsprechend dem heutigen "Alte Schloss" um seinen Innenhof (Harmoniehof). Vom Gebäude selbst ist nichts überliefert. Nur dass die Anlage ohne großen Abstand an die Bürgerhäuser anschloss, ist bekannt. Wegen eines Brandes bei dem 1509 fünf Häusern neben dem Schloss zerstört wurden ist das dokumentiert. Die ältesten Teile der heutigen Anlage sind der Saaltrakt zum Schlossberglein hin aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und der daran angebaute 1565/66 errichteten achteckige Schlossturm. Der Kurfürstenbau an der Maximilianstraße und die beiden Flügel um den sog. "Ehrenhof" entstanden im Lauf des 17. Jahrhundert. Die einheitliche Verblendung aller Hoffassaden erhielt das Schloss dann 1691 (4). Aus der Zeit nach dem großen Schlossbrand von 1753, der weite Teile der Anlage zerstörte, datieren Schlosskirche (1754/56), Palais d' Ademar (1759) und Gonhardhaus (1759/61) (5). Die Bezeichnung "Altes Schloss" trägt es, da angestoßen durch den Brand von 1753 und neben dem Wiederaufbaus der Anlage, ein neues, das heute so genannte "Neue Schloss", an der nur wenige Meter entfernten Rennbahn (die heutige Ludwigstraße) errichtet wurde, in welches die markgräfliche Residenz umzog.


Das erste Rathaus ist, bis auf Teile des Fundaments im Boden, nicht erhalten. Unbekannt ist auch wann es erbaut wurde. Bekannt ist nur der Standort in der Mitte der heutigen Maximilianstraße und das es wohl beim Hussiteneinfall von 1430 zerstört wurde. Von seinem Nachfolger, um 1446 nahezu an der gleichen Stelle errichtet sind auch nur die Ausmaße bekannt, nach Angaben aus dem Jahr 1666 124 x 42 Schuh (ca. 40 x 14 Meter), beginnet etwa auf Höhe der heutigen Mohrenapotheke in Richtung Sternplatz. Dem Rat stand darin anfangs nur eine Ratsstube zur Verfügung, war das Gebäude doch primär als Getreidekasten und Kaufhaus konzipiert. Es erfuhr bis zu seiner erneuten Zerstörung beim großen Stadtbrand von 1621 einiges an Reparaturen und Umbauten (6). Davon ausgehend dass die Geschichtsquellen zutreffen, sind die beiden Rathäuser zwischenzeitlich (Mai/Juni 2009) archäologisch gesichert. Zum einen die Reste eines Steingebäudes mit Brandschutt von 1430 sowie direkt daneben große Steinquader eines weiteren Gebäudes das dem Stadtbrand von 1621 zu Opfer fiel (7).


Das erste urkundlich fassbare Spital ist ebenfalls nicht erhalten. Es dürfte wahrscheinlich, samt dazugehöriger Kapelle, vor den Toren der Stadt, im sog. "Inneren Spitalhof" gestanden haben. Etwa auf Höhe der heutigen Ecke Kulmbacher Straße/Austraße (8). Der Neubau von Spital und Kirche, am heutigen Platz, begann 1435 und war 1443 größtenteils abgeschlossen. Die Weihe der neuen (und heutigen) Spitalkirche ist für 1439 dokumentiert. Ihr Bau entsprach schon damals in etwa dem heutigen Volumen. Auch sie erfuhr im Lauf der Zeit einiges an Reparaturen und Umbauten. So zum Beispiel 1529 den Turm auf der Kirche (9). Ihr heutiges Aussehen erhielt sie dann Mitte des 18. Jahrhundert mit einer neuen Fassade (10).


Der Tappert, auch wenn man es, sieht man seine ersten Meter, nicht vermutet, ist ein künstlich angelegter Bachlauf der bis heute, etwa auf Höhe der Hohlmühle, Wasser vom Sendelbach ableitet und auch immer noch, wenn auch weitestgehend verrohrt, die Stadt durchquert. Ursprünglich gelangte er aber den Rennweg begleitend, die heutigen Richard-Wagner-Staße (11), am Oberen Tor in die Stadt. Sein Hauptarm leitete wohl schon damals das Wasser entlang der Südseite des Markts durch die Stadt zum Mühltürlein (12). Dort verließ er die Stadt durch einen Durchlass in der Stadtmauer in die Mainauen. Ein Seitenarm zweigte an der Ecke Maximilian-/Kanzleistraße ab und führte über Kanzleistraße und Kämmereigasse, querte die Sophienstraße in die Von-Römer-Straße und verließ dort ebenfalls über einen Mauerdurchlass die Stadt, wohl weiter in den unweit parallel zur südlichen Stadtmauer fließenden Sendelbach. Wann der Tappert angelegt wurde ist unbekannt. In Urkunden findet man ihn erstmals 1468 (13). Er schein aber bereits zum Ende des 12. Jahrhunderts bestanden haben, da man das südliche Stadtgelände (um die heutige Stadtkirche) zur Entwicklung der Stadt über seinen Seitenarm entlang der Kämmereigasse entwässert und damit bebaubar gemacht hat. Es lässt sich aber auch vermuten dass man den Seitenarm auch erst zu diesem Zweck angelegt hat (14)


Von vormals 11 Wassermühlen die für das historische Bayreuth urkundlich nachweisbar sind, lassen sind tatsächlich acht bis ins Spätmittelalter zurückverfolen. Natürlich ist von diesen Mühlen nichts an mittelalterlicher Bausubstanz erhalten. Allenfalls Nachfolgebauwerke und im ungünstigsten Fall nur noch Bilddokumenten oder deren Nennungen in Archivalien

Am weitesten zurück verfolgen lässt sich dabei die am Sendelbach gelegene "Spiegelmühle". Heute Kulmbacherstraße 28. Sie ist gesichert bereits 1398* betrieben worden. Das heute dort stehende und zum Hotel umgebaute Gebäude entstand allerdings "erst" 1785, war aber bis 1943 als Mühle in Betrieb, womit die "Spiegelmühle" die am längsten betriebene Mühle der Stadt war. Ebenfalls 1398* erstmals erwähnt, aber bereits 1881 wieder aus dem Stadtbild verschwunden, die "Pleutnermühle". Gelegen in etwa auf Höhe des Mühltürleins am damals dort fließenden Roten Main. Sie musste dem (inzwischen ehemaligen) Schlachthof der Stadt Bayreuth weichen, der wiederum 1993 dem (heutigen) Rotmaincenter weichen musste. Die letzte der westlich vor den Mauern der Stadt gelegenen Mühlen befindet sich nur etwa hundert Meter oberhalb der Spiegelmühle, unter der heutigen Adresse 99 Gärten 1, die "Steinmühle". Das heute dort stehende Wohnhaus wurde, so wie man es heute sieht, bereits um das Jahr 1800 herum, als Wohnhaus der Mühle beschrieben. Ihr Wasser erhielt sie über einen Mühlkanal, der vom nahen Mistelbach abzweigte. Fassen lässt sie sich seit 1459* und in Bertrieb war sie bis 1955.

Weitere fünf Mühlen lagen östlich vor der Stadtmauer, wie Perlen aufgereiht, entlang eines Mühlgrabens der parallel der heutigen Äußeren Badstraße und Münzgasse fliesst. In Fließrichtung beginnend, mit der mindestens seit 1446* dort stehenden "Lohmühle". Aus ihr ging das heute dort stehende gleichnamige Hotel hervor. Der Mühlbetrieb wurde aber bereits 1920 eingestellt.
Ihr folgt die mindestens seit 1421* betriebene "Braunsmühle". Heutige Adresse, Münzgasse 13. Diese wiederum folgte 1447* im Nachbarhaus die "Bubsche Mühle" an der heutigen Adresse Münzgasse 11. Beide Mühlen, beide am Ende unter einem Eigentümer, stellten 1906 der Mahlbetrieb ein. Ihre Gebäude sind bis heute als Wohn- und Geschäftshaus erhalten. Das an der Bubschen Mühle noch vorhandene Mühlrad, wurde ab 1935 zur Stromerzeugung wieder in Betrieb genommen, ist aber inzwischen, ebenso wie sein Wasserzulaufgraben, verschwunden bzw. überbaut. Diesen beiden Mühlen wiederum folgte die erst 1495* ersterwähnte "Krazermühle". Deren Reste mussten allerdings bereits 1804 dem Bau der "Neuen Münz" (heute "Alte Münze") weichen.
Als letzte der Mühlen entlang dieses Mühlkanals lässt sich die älteste der hier gestandenen Mühlen finden. Die erstmals 1402* erwähnte und 1903 niedergebrannte "Münzmühle". Ihr Nachfolger am Platz, heute Wölfelstaße 2, ist das bis heute dort stehend sog. Staatsbankgebäude, welches seit 2013 das Iwalewahaus der Universität Bayreuth beherbergt.

Der Mühlkanal zweigt übrigens bis heute an der (heutigen) Äusseren Badstraße vom Roten Main ab und mündet am heutigen ZOH wieder in den Roten Main zurück.

Für welches Handwerk die Bayreuther Mühlen anfangs (Mittelalter) eingerichtet und genützt wurden, ist nicht immer eindeutig zu klären. Bei der Steinmühle kann jedoch den Quellen entsprechend, einer Sägemühle angenommen werden. Für die größte der Bayreuther Mühlen, die Pleutnermühle am Mühltürlein, ist aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts bekannt, dass ihre sieben Mühlräder auf jeden Fall eine Sägemühle und eine Walkmühle antrieben. Bei der Bubschen Mühle dürfte es sich um eine Ölmühle gehandelt haben, da für sie zum Ende des Mittelalters der Verkauf von Lampenöl belegt ist (15).

Zu allen anderen der mittelalterlichen Wassermühlen der Stadt, kann deren ürsprüngliche Nutzung nur vermutet werden. Ausser vielleicht bei der „Lohmühle“. Bei ihr kann man dürchaus annehmen das der Name auch Programm war und hier die für die Lohgerberei benötigten pflanzlichen Gerbmittel zermalen wurden.


1) Gebessler 1959, S. 46

2) Waha 03.01.2018

3) Gebessler 1959, S. 7ff.

4) Trübsbach 1993, S. 30f.

5) Meyer 2006, S. 49

6) Trübsbach 1993, S. 41

7) Waha 2009, S. 11

8) Trübsbach 1993, S. 37

9) Trübsbach 1993, S. 40f.
10) Meyer 2006, S. 54

11) Im Weiteren werden hier ebenfalls die heute gebräuchlichen Straßennahmen eingesetzt.

12) Was bis dahin nur archivarischen Quellen zu entnehmen war, scheint zwischenzeitlich (April 2010) auch archäologisch seine Bestätigung gefunden zu haben. Siehe: Waha 2010, S. 11.

13) Trübsbach 1993, S. 35

14) Trübsbach 1993, S. 31

15) Dämmrich 1987, S. 25-141

*Erste Nennung der jeweiligen Mühle.